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Vulnerability Assessment

Methodology

Validierte Schwachstellen- und Massnahmen-Workbench. Scanner-Findings werden validiert, priorisiert, mit Business-Kontext angereichert und in Massnahmen überführt.

Hinweis: Diese Seite ist eine Umsetzungshilfe und ersetzt keine Rechtsberatung oder verbindliche aufsichtsrechtliche Auslegung.
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Scan vs. Assessment vs. Pentest

Kriterium Vulnerability Scan Vulnerability Assessment Penetrationstest
Beschreibung Automatisierte Suche nach potenziellen Schwachstellen. Produziert eine lange Liste möglicher Findings. Validierung und Priorisierung der Scan-Ergebnisse. Erzeugt einen triagierten, priorisierten Backlog. Menschlich geführte Angriffsketten mit Bericht und Sign-off.
Output Lange Finding-Liste Priorisierter Backlog Narrativer Pentest-Bericht
Frequenz Täglich Wöchentlich Jährlich / TLPT
Human Review Automatisch Erforderlich Erforderlich
False Positives Hoch (30-50%) Niedrig (validiert) Keine (manuell)
DORA-Testart Art. 25: Schwachstellenbewertungen Art. 25: Lückenanalysen Art. 26-27: TLPT
1. Automatisierte Scans

Tägliche Scans liefern Rohdaten. Keine Validierung, keine Priorisierung. False-Positive-Rate bis 50%. Scanner-Findings sind kein Massnahmenplan.

2. Manuelles Assessment

Wöchentliche Validierung der Scan-Ergebnisse: Exploitability-Prüfung, Business-Kontext, Risikobewertung. False Positives werden aussortiert. Findings werden priorisiert.

3. Penetrationstest

Jährliche menschliche Angriffssimulation mit Bericht. Deckt logische Fehler, Business-Logik-Lücken und komplexe Angriffsketten ab, die Scanner nicht finden.

DORA-Testarten — Art. 24-27

DORA Artikel Testart Beschreibung Frequenz Abdeckung
Art. 24IKT-TestprogrammUmfassendes Testprogramm für alle IKT-Systeme und -AnwendungenLaufendAlle kritischen Funktionen
Art. 25SchwachstellenbewertungenRegelmässige Scans und Lückenanalysen — validiert, priorisiert, mit MassnahmenplanWöchentlichAlle IKT-Systeme
Art. 26TLPT (Bedrohungsbasierter Pentest)Threat-Led Penetration Testing — reale Angriffssimulation gegen kritische Funktionen3-Jahres-ZyklusKritische IKT-Funktionen
Art. 27TLPT-DurchführungTesting-Threat-Intelligence-gesteuerter Pentest mit zertifizierten Testern3-Jahres-ZyklusKritische IKT-Funktionen

Detaillierter Methodenvergleich

Klicken Sie auf eine Methode für Details. Das Vulnerability Assessment ist die empfohlene Basis für die wöchentliche Validierung.

Assessment Lifecycle (10 Schritte)

1

Scope definieren

CISO / Pentest-Lead

Testart, Zielsysteme und Autorisierung festlegen

2

Findings importieren

Security Engineer

Scanner-, SBOM-, API-Ergebnisse einlesen

3

Exploitability validieren

Pentester

Nicht-destruktiv prüfen, ob Finding tatsächlich ausnutzbar ist

4

Business-Kontext

Security Engineer

Kritische Funktion, Datenklasse, regulatorischer Bezug

5

Priorisieren

Security Engineer

Resilience Priority Score und SLA zuweisen

6

Remediation Plan

Developer

Fix-Typ: Code, Konfiguration, Patch, Dependency-Upgrade

7

Human Gate

⚠ Human Gate CISO / Risk-Owner

Critical/High: Security-Review. Risikoakzeptanz: Risk-Owner

8

Fix umsetzen

Developer

PR öffnen, Deployment planen

9

Re-Test

Pentester

Nach Fix erneut testen

10

Evidence Pack

Security Engineer

Finding + Fix + Re-Test dokumentieren

Betriebsmodelle für das Vulnerability Assessment

Die Organisation des Vulnerability Assessments hängt vom Betriebsmodell ab. Drei typische Modelle für Finanzinstitute.

Quality Gates — Prüfkriterien je Phase

Jede Phase hat definierte Qualitätskriterien. Erst wenn alle Kriterien erfüllt sind, wird die nächste Phase freigegeben. Der Fortschritt wird lokal gespeichert.

Gesamtfortschritt:

RACI — Verantwortlichkeiten

Phase CISO SecEng Pentester Developer Risk-Owner
Scope DefinitionARCII
Findings ImportIRCI
Exploitability ValidationICR
Business ContextIRCC
Priorisierung & SLAARCII
Remediation PlanICRI
Human Gate (Critical/High)ARCIA
Fix UmsetzungICRI
Re-TestICR
Evidence PackIRCII
R = Responsible A = Accountable C = Consulted I = Informed

R&R — Verantwortung nach Betriebsmodell

Die Verteilung der Verantwortlichkeiten unterscheidet sich je nach Betriebsmodell. Während im Eigenbetrieb alle Aufgaben intern liegen, verschiebt sich im Outsourcing-Modell die operative Verantwortung zum Provider — die Governance-Verantwortung bleibt bei der Bank.

Aufgabe Institut Provider
R = Responsible (durchführend) A = Accountable (verantwortlich) C/I = Consulted/Informed = Nicht erforderlich

Letztverantwortung

Unabhängig vom Betriebsmodell bleibt die Bank für die ordnungsgemässe Durchführung des Vulnerability Assessments verantwortlich (DORA Art. 24, MaRisk AT 9). Im Outsourcing-Modell muss die Bank durch vertragliche Right-to-Test-Klauseln, regelmässige Report-Reviews und Stichprobenprüfungen sicherstellen, dass die Provider-Leistung den aufsichtlichen Anforderungen entspricht.

Tool-Kategorien & Capability-Mapping

Die Methodik ist tool-unabhängig. Nachfolgend sind Kategorien mit beispielhaften Open-Source- und kommerziellen Tools aufgeführt, die die jeweilige Phase unterstützen. Keine Tool-Empfehlung — die Auswahl hängt vom individuellen Risikoprofil, bestehender Infrastruktur und Budget ab.

Hinweis zur Tool-Auswahl

Die genannten Tools sind Beispiele und keine verbindliche Empfehlung. Die Auswahl der konkreten Tools hängt vom individuellen Risikoprofil, der bestehenden Tool-Landschaft, den verfügbaren Qualifikationen und dem Budget des Instituts ab. Die Resilience Platform ist kein Tool-Vergleichsportal.

Tool-Vergleich nach Anwendungsfall

Übersicht der empfohlenen Tool-Kategorien für die jeweilige Phase des Vulnerability Assessments. Die Bewertung dient der Orientierung — keine verbindliche Klassifikation.

Phase Tool-Kategorie Open Source Kommerziell Empfohlen für
ScanInfrastruktur-ScannerGreenbone/OpenVASNessus, Qualys, Rapid7Wöchentliche Infrastruktur-Scans
ScanWeb-ScannerOWASP ZAPBurp Suite, AcunetixMonatliche Web-App-Scans
ScanCloud-ScannerCheckov, ProwlerWiz, Prisma CloudKontinuierliche Cloud-Sicherheit
ScanSBOM/DependencyTrivy, Grype, DepTrackSnykCI/CD-Integration
AssessmentFinding-ManagementDefectDojoRaven, ServiceNowTriage & Workflow
AssessmentPriorisierungs-EngineKenna/VulnDB, Qualys TRURisk-Based Prioritization
PentestPentest-FrameworkKali, MetasploitCobalt StrikeManuelle Sicherheitstests
PentestAD-AssessmentBloodHoundActive-Directory-Sicherheit
AlleSIEM/Log-ManagementWazuh, ELKSplunk, ElasticZentrale Protokollierung

Empfehlung für den Einstieg

Greenbone/OpenVAS (Scan) + DefectDojo (Assessment) + OWASP ZAP (Web) + Trivy (SBOM) + Wazuh (SIEM) — vollständig Open Source, keine Lizenzkosten, geeignet für Institute mit 1-2 FTE Security-Kapazität.

Vulnerability Scan

€ 5K-15K

Jährliche Lizenzkosten (pro Tool)

Setup: 1-2 Tage

Betrieb: 2-4 Std./Monat

Personal: 0,1 FTE

Vulnerability Assessment

€ 20K-50K

Jährlich (intern/extern gemischt)

Setup: 1-2 Wochen

Betrieb: 1-2 Tage/Woche

Personal: 0,3-0,5 FTE

Penetrationstest

€ 30K-80K

Pro Test (extern, einmalig)

Setup: 2-4 Wochen Vorlauf

Dauer: 1-3 Wochen Test

Personal: extern + 0,1 FTE intern

Evidence-Anforderungen (DORA Art. 24-27)

Jede Testart erzeugt spezifische Nachweise für die aufsichtliche Prüfung. Die folgende Matrix zeigt die erforderlichen Evidence-Items, deren Qualitätskriterien und die zugehörigen DORA-Artikel.

Evidence-Item Testart DORA Qualitätskriterium Aufbew. Prüfbar
Scan-Konfiguration Scan Art. 25 Tool-Name, Version, Plugin-Feed-Datum, Ziel-IPs/-Subnetze, Authentifizierungs-Level, Ausgeschlossene Targets mit Begründung 1 J IR, DORA
Scan-Ergebnis (Rohdaten) Scan Art. 25 Vollständiger Export aller Findings mit CVSS, Host, Port, Plugin-ID, Plugin-Name, Plugin-Output, Plugin-Feed-Datum 1 J IR, DORA
Coverage-Nachweis Scan Art. 24-25 Asset-Abgleich: gescannte vs. bekannte Assets. Nicht gescannte Assets mit Begründung. Coverage-Quote in %. 1 J IR, DORA
Validierte Findings-Liste Assessment Art. 25 Jedes Finding mit Status: true/false_positive/exploitable/nicht_ausnutzbar. Validierungsdatum, Validator-Name, Validator-Methode 3 J IR, Audit
Business-Kontext-Anreicherung Assessment Art. 5, 25 Kritische Funktion, Datenklasse, Exposure-Level, DORA-Criticality, regulatorischer Bezug pro Finding dokumentiert 3 J IR, Audit
Priorisierungsmatrix Assessment Art. 25 Resilience-Priority-Score pro Finding, SLA-Zuweisung, Ranking, Behandlungspfad (fix/mitigate/accept/escalate) 3 J IR, Audit
Human-Gate-Protokoll Assessment Art. 6, 25 Review-Datum, Reviewer-Name, Entscheidung (approved/rejected/escalated), Begründung bei Risikoakzeptanz, Risk-Owner-Signatur 5 J IR, Audit, Aufsicht
SLA-Compliance-Nachweis Assessment Art. 5, 30 SLA-Einhaltungsquote pro Prioritässtufe, verletzte SLAs mit Grund, Eskalationsstatus, Nachbesserungsmassnahmen 3 J IR, Audit
Pentest-Bericht (narrativ) Pentest Art. 26-27 Executive Summary, Methodik, Scoping, detaillierte Findings mit Proof-of-Concept, Screenshots, Risikobewertung, Handlungsempfehlung 5 J Aufsicht, Audit
Tester-Qualifikationsnachweis Pentest Art. 27 CVs der Tester, Zertifikate (OSCP, CISSP, GIAC, etc.), Referenzprojekte, Unabhängigkeitserklärung 5 J Aufsicht
Abweichungsanalyse Pentest Art. 26-27 Abweichungen vom Testplan mit Begründung, nicht getestete Bereiche mit Risikobewertung, Wiederholungstermin 5 J Aufsicht, Audit
Management-Summary Alle Art. 5, 24 Kurzzusammenfassung für Vorstand/Risikokomitee: kritische Findings, SLA-Status, Eskalationen, Handlungsbedarf 5 J Vorstand, Aufsicht

Evidence-Lifecycle

1

Erzeugung

Automatisch oder manuell

2

Validierung

Vollständigkeit + Korrektheit

3

Ablage

Revisionssicher + indexiert

4

Prüfung

Durch Revision/Aufsicht

5

Archivierung

Nach Aufbewahrungsfrist

Evidence-Prüfprotokoll

Critical

≤ 24h

Reaktionszeit

Sofortmassnahme

High

≤ 48h

Reaktionszeit

Massnahmenplan erforderlich

Medium

≤ 2 Wochen

Behebungsfrist

Nächster Sprint

Low

≤ 90 Tage

Behebungsfrist

Nächster regulärer Zyklus

Level 1

Scans vorhanden, kein Assessment

Level 2

Ad-hoc-Assessments

Level 3

Wöchentliches Assessment

Level 4

Integriert + Priorisiert

Level 5

Kontinuierlich + Evidence

Key Insight

Das Assessment ist die „missing middle" zwischen Scanner und Pentest — es validiert, priorisiert und erzeugt einen triagierten Backlog. Ohne Assessment bleiben Scanner-Findings eine Rauswolke. Ohne Assessment ist der Pentest zu teuer & zu selten.

Wichtiger Hinweis: Nur autorisierte Tests durchführen. Validierung erfolgt nicht-destruktiv. Jedes Finding mit Critical/High-Priorität oder Risikoakzeptanz erfordert eine menschliche Review (Human Gate).